Prof. Dr.-Ing. Uwe Clausen vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund
17.08.2016 | Stephanie Kunert

Digitalisierung wesentlicher Treiber für Logistik 4.0

„Der Verkehr in Zukunft wird sehr viel mehr automatisiert ablaufen und Digitalisierung ist ein wesentlicher Treiber für die Logistik 4.0“, sagt Prof. Dr.-Ing. Uwe Clausen vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund in seinem Gastbeitrag auf dem Toll Collect-Blog.

Während die erste industrielle Revolution durch die Mechanisierung möglich wurde, hat die zweite die effiziente Massenfertigung bewirkte. Die dritte industrielle Revolution hat durch Elektronik die Steuerung und Automatisierung der Produktion vorangebracht. Nun läuft eine Phase an, die wir mit Industrie 4.0 bezeichnen. Hierin durchdringt die Digitalisierung die Anlagen und Prozesse umfassend und cyberphysische Systeme – also physische Objekte, die mittels eingebetteter Systeme, Sensorik und Kommunikationstechnik ihre Umwelt erkennen und Information selbst an andere Objekte, an Systeme und immer auch noch an Menschen weitergeben können – führen zu neuen Möglichkeiten der dezentralen Entscheidungsunterstützung und der Autonomisierung.

Digitalisierung ist wichtiges Thema in der Logistik

Fast ein Drittel der Befragten sehen Digitalisierung als wichtiges Thema in der Logistik. Quelle: http://www.mowin.net/fileadmin/mowin/dokumente/Logistik-Tag/2016_06_09/Praesentationen/02_Clausen_Webversion.pdf

Logistik 4.0 entsteht durch Digitalisierung

Eine Logistik 4.0 entsteht folgerichtig durch die Digitalisierung, durch intelligente Objekte und ihre Vernetzung in den Logistikprozessen zwischen Produktionsanlagen, Handels- und Logistikstandorten.

Die Technologien dafür sind durch die dynamische Entwicklung digitaler Kommunikations-, Verarbeitungs- und Speichertechnologien inzwischen verfügbar und für eine massenhafte Nutzung wirtschaftlich. Heute schon sind gut 5 Mrd. Geräte auf der Welt mit dem Internet verbunden und es ist absehbar, dass sich diese Zahl in wenigen Jahren vervielfachen wird. Bis 2020 nimmt Gartner ein Wachstum auf 25 Mrd. Geräte an und Cisco geht sogar – nicht ganz ohne eigenes Geschäftsinteresse – von 50 Mrd. Geräten aus. Der schon laufende Wandel in Produktion und Logistik, dessen Geschwindigkeit eher noch zunimmt, wird fast alle Prozesse erfassen.

Die Digitalisierung erreicht ein höheres Maß an Wertschöpfung, Flexibilität und Qualität. Das fordern so auch die Kunden. An Wareneingängen und -ausgängen, in Fahrzeugen, an Behältern, in Umschlag- und Sortieranlagen wird vermehrt auf Informationen zugegriffen werden.

Mensch spielt eine große Rolle bei Logistik 4.0

Ein wesentlicher Treiber wird aber auch der einzelne Mensch in seinen Rollen als Mitarbeiter und als Kunde sein. Er erwirbt digitale Kompetenzen und bringt Erwartungen – auch aus den Bereichen Mobilität, Online-Handel oder soziale Netze – ein, wo wir mit unseren Apps im Internet und auf Smartphones die Chancen der Digitalisierung kennengelernt haben.

Dabei müssen sinnvollerweise immer erst Strukturen und Prozesse auf den Prüfstand, bevor Entscheidungen über Hard- und Software im Unternehmen anstehen. In der Verkehrslogistik haben wir uns dem Motto „Smart Transportation Logistics“ verschrieben. Hierzu gehört insbesondere, dass die Auskunfts­fähigkeit durch vorauseilenden Informationsfluss und „realzeitnahe“ Verfügbarkeit von Daten verbessert wird. Daten über den Verkehrsfluss, über Infrastrukturen und ggfs. deren Störung gehören genauso dazu, wie Daten intelligenter Fahrzeuge, Ladungen oder Ladehilfsmittel.

Datenverkehr steigt, vor allem mobil

Der monatliche Datenverkehr über Smartphones wird immer weiter ansteigen. Quelle: http://www.mowin.net/fileadmin/mowin/dokumente/Logistik-Tag/2016_06_09/Praesentationen/02_Clausen_Webversion.pdf

Intralogistik nutzt bereits intelligente Behälter

Wir sehen in der Intralogistik bereits, wie intelligente Behälter die Systeme in die Lage versetzen, effiziente und dezentrale Entscheidungen zu treffen. Im Güterverkehr, an Speditions- und Handelszentren, an Produktions- und Umschlaganlagen werden zukünftig mehr und mehr Fahrzeuge bei Ankunft automatisch erkannt oder mit Steuerungsinformationen versehen. Ladehilfsmittel teilen zum Entladezeitpunkt ihre Beschaffenheit und ihr Ziel mit. Zeitfenstermanagementsysteme müssen zukünftig flexibler sein. Sie sollten Informationen über früher oder verspätet eintreffende Fahrzeuge für nachfolgende Prozesse nutzbar machen. Zugriffe auf diese Daten müssen dezentral bessere Entscheidungen über Disposition und Routing, über Prioritäten im Handling und notwendige Ressourcen, zu Serviceaufgaben oder zur systematischen Analyse und Verbesserung der Nahtstellen und der Arbeitsteilung in logistischen Netzwerken ermöglichen.

„Logistik 4.0 ist kein Selbstzweck und kein reines Technologiethema.  Die Fragen nach dem Kundennutzen, der Robustheit und Effizienz der Abläufe führen uns zu den Potentialen der Digitalisierung.“

Logistik 4.0 ist kein Selbstzweck und kein reines Technologiethema.  Die Fragen nach dem Kundennutzen, der Robustheit und Effizienz der Abläufe führen uns zu den Potentialen der Digitalisierung. Dabei spricht auch vieles dafür, dass der Faktor Mensch für die Interpretation von Daten und Nutzung von Entscheidungsspielräumen eher an Bedeutung zunimmt. Im Handel werden Informationen über Verfügbarkeit von Waren noch stärker in den Verkauf und die Beratung von Kunden einbezogen. Umgekehrt fließen Informationen aus Kundenwünschen in Prognose- oder Marketingtools. In die Disposition der Distribution fließen Daten etwa darüber ein, welcher Kunde auf welches Produkt wartet und welche Ressourcen für logistische Abläufe aktuell verfügbar sind.

Mehr automatisierter Verkehr in der Zukunft

Der Verkehr in Zukunft wird dabei vermutlich sehr viel mehr automatisiert ablaufen. Das geht technisch schon heute, wie es vom Daimler Truck bis Google Car schon deutlich wird. Klar ist dabei auch, dass es neben den technischen Fragen, die noch offen sind, aktuell vor allem ein rechtlich noch nicht gelöstes Thema ist. Im Miteinander der Menschen mit den Maschinen, und auch mit den Fahrzeugen, beginnt eine spannende neue Zeit. Die Digitalisierung ist ein wesentlicher Treiber für die Logistik 4.0.

„Im Miteinander der Menschen mit den Maschinen, und auch mit den Fahrzeugen, beginnt eine spannende neue Zeit und Digitalisierung ist ein wesentlicher Treiber für die Logistik 4.0.“

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